Jan
23

ich möchte Ihnen die bewegenden Worte meines franziskanischen Mitbruders weitergeben, der vor wenigen
Wochen in Afrika unterwegs war:

«Den ganzen Tag über waren wir heute wieder in einem der vielen Slums Nairobis unterwegs. Kein Polizist wagt es, hierher zu kommen. So viel Unvorstellbares. Leidvolles. Elendes. Wie gut, dass es auch Lichtblicke gibt: Die Kinder, die in all diesem Elend noch lachen und sich freuen, und die so wichtigen Selbsthilfegruppen, die die Franziskanerinnen ins Leben gerufen haben.

Die Situation der Flüchtlingsfamilien ist herzzerreissend. Ich lerne Mütter mit ihren Kindern kennen. Mütter und Kinder sind HIV-infiziert. Von ihren Männern und Vätern wurden sie verlassen. Die Mütter haben, abgesehen von ihren Kindern, keine Verwandten. Zudem wurden sie von ihrem Umfeld verstossen. Gemeinsam mit den Schwestern haben wir drei Frauen in ihren erbärmlichen winzigen Hinterkammern besucht. Sie sind so schwach, dass sie nicht ins Freie können. Die Kinder hängen so sehr an ihren Müttern, dass sie kaum von ihren Seiten weichen. Diese Mädchen und Jungen werden bald Waisenkinder sein. Die Selbsthilfegruppen der Schwestern, die die Familien besuchen und betreuen, sind wirklich ein Gottesgeschenk.

Bei einem dieser Besuche durfte ich heute David kennenlernen. Er ist vier Jahre alt. Er sorgt Tag und Nacht für seine Mutter. Er will und kann nicht in den Kindergarten gehen, weil er für seine Mama da sein will. Er hat nur sie. Vor einigen Tagen führte er sie auf Eigeninitiative zwei Stunden zum Krankenhaus der Franziskanerinnen und klopfte verzweifelt mit der Bitte um Hilfe an deren Tür. Die Schwestern halfen, so gut sie konnten. Mittlerweile kann seine Mutter nicht mehr aufstehen. Schwach und krank durch Aids wird sie wohl nicht mehr lange leben. Der kleine David kämpft den verzweifelten Kampf gegen ihren Tod. Er will alles tun, um seine Mutter weiter zu haben. David – wie so viele Kinder Afrikas – ein kleiner, aber grosser Held.

Es gibt so viel zu erzählen. Aber es verschlägt mir auch die Sprache, und es bleiben nur Tränen.»

Auch ich habe auf meiner Reise in Burkina Faso und Togo viel Leid und Elend angetroffen. Und ich habe gesehen, wie wichtig unsere gemeinsame Hilfe, die Arbeit der Franziskanerinnen und Franziskaner und das Miteinander vor Ort sind. Mit vereinten Kräften setzen wir uns dank Ihrer Unterstützung für unsere Brüder und Schwestern ein.

In diesem Sinne bitte ich Sie um eine Spende für den Schutz der Neugeborenen in Benin, die Schülerinnen und Schüler in Madagaskar, die Kinder in Indien, die Mädchen in Peru und die Strassenkinder in Brasilien. Durch die vielen kleinen Gaben können wir auch hier Grossartiges bewirken. Dafür danke ich Ihnen von Herzen!

Der Januar ist zwar schon weit fortgeschritten, trotzdem wünsche ich Ihnen und allen Menschen, die Sie in Ihrem Herzen tragen, ein gesegnetes neues Jahr 2019!

Pax et Bonum!

Ihr

Bruder Mathias Müller OFM